Warburg (red/tab). Eine Ausstellung zum Thema „Das letzte Abendmahl in der Kunst“ wird an diesem Sonntag, 7. April, um 11 Uhr im Warburger Museum im „Stern“ eröffnet. Im Mittelpunkt steht die über vier Meter breite Abendmahlsdarstellung von Hans Kohlschein, die sonst im Arnoldihaus hängt, jetzt aber im Museum zu sehen sein wird. Hans Kohlschein (1879 – 1948 in Warburg) hat dieses Abendmahl nach Bezug seines Hauses am Volkmarser Weg im Herbst 1944 geschaffen. Sein erstes Abendmahl hatte er 1925/26 in Düsseldorf gemalt. Bei der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg im Juni 1943 wurde sein Haus zerstört und mit diesem auch die erste Abendmahlsdarstellung. Das neutestamentliche Thema „Das letzte Abendmahl“ ist in der Kunst immer wieder gestaltet worden. Die Ausstellung im Museum im „Stern“ zeigt Beispiele. Aber auch die Andenkenindustrie und andere bemächtigten sich des Themas und bringen auch heute eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt, die mit dem Topos des Abendmahles Aufmerksamkeit erzeugen wollen, ohne unbedingt religiöse Inhalte zu vermitteln. In der Renaissance war das Abendmahl eines der häufigsten Motive der italienischen Kunst. Leonardo da Vinci (1452–1519) schuf die wohl bekannteste Version für das Mailänder Kloster Santa Maria delle Grazie. Sein Bild gilt als Meilenstein der Renaissance, denn es nahm wegen seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe bahnbrechenden Einfluss auf die Malerei. Es zeigt Jesus mit den zwölf Aposteln, unmittelbar nachdem dieser ihnen beim letzten gemeinsamen Mahl sagt: „Einer von euch wird mich verraten“ (Mt. 26,21). Bekannt ist auch das um 1500 in der Soester Wiesenkirche zu sehende „Westfälische Abendmahl“, ein Glasfenster, das Jesus und seine Jünger beim Abendmahl darstellt. Der unbekannte Künstler hat die Handlung jedoch nach Westfalen verlegt. Anstelle von ungesäuertem Brot und Wein gibt es die Spezialitäten der Soester Heimat. Auf dem Tisch stehen ein Schweinskopf und ein Schinken. Ein Apostel hat einen Bierkrug mit Deckel in der Hand, ein anderer trinkt gerade aus einem Bierkrug. Neben dem Schinken stehen Schnapsgläser, unter dem Tisch ein Korb mit westfälischem Brot. Der Warburger Goldschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit (1553/54 - 1603) hat in Silber einen Bucheinband für ein Missale geschaffen. Dem Betrachter wird auf dem rückseitigen Buchdeckel das letzte Abendmahl aus dem Neuen Testament gezeigt. Eine Kopie dieses Bucheinbandes befindet sich im Besitz des Museum im „Stern“ und wird in der Abteilung „Kunstgeschichte“ gezeigt. Andy Warhols (1928 - 1977) - Sohn polnischer Einwanderer und gläubiger praktizierender Katholik - letzte großformatige Arbeiten waren die Auseinandersetzung mit Leonardo da Vincis Abendmahl. Warhol beschäftigte sich nicht mit dem Original, sondern legte das Foto einer billigen Reproduktion des Originalgemäldes zugrunde, die er in einem Ramschladen in Little Italy (New York) gefunden hatte. Daraus entstanden ein riesiger Gemäldezyklus und im Siebdruck umgesetzte druckgraphische Versionen. Für das Refektorium der Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem stellte Ernst Fuchs (1930 – 2015) einerseits grell, andererseits traditionell die Einsetzung der Eucharistie dar. Aber auch die Ankündigung des Verrats, die Fußwaschung und unerwartet der Geige spielende David sind in seinem Abendmahlsbild zu finden. Ernst Fuchs begann mit dem ca. 6 m breiten Gemälde 1957 vor Ort und arbeitete bis 2006 immer wieder daran. Zu dem „Warburger Abendmahl“ von Hans Kohlschein konnten zwei Skizzen ausgeliehen werden, der Vorentwurf des gesamten Bildes und der Entwurf des Christuskopfes. Die Personen dieses Abendmahles soll Hans Kohlschein nach Vorbildern aus dem Warburger Umfeld gestaltet haben. Passend zu diesem Themenbereich wird eine Entwurfsskizze mit dem Motiv der Karfreitagsprozession von Sorrent aus dem Jahre 1924 gezeigt. Die Gäste der Ausstellungseröffnung wird Rainer Mues, Vorsitzender des Museumsvereins, begrüßen. Er hat die Ausstellung konzipiert und gestaltet und führt in die Präsentation ein. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung von Evelyn Reger. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 28. April. Das Museum ist täglich außer montags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet.