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Montag, 14. Mai 2018 09:57 Uhr

Fouad Mardini will Orthopädie-Mechaniker werden

Von links: Sebastian Heine, Reza Hashemi, Janik Fischer, Fouad Mardini, Renee Seidel. Foto: Privat

Warburg (red). Etwas über zwei Jahre ist es her, dass Fouad Mardini aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland gekommen ist. Nun macht der heute 21-Jährige zusammen mit Janik Fischer aus Menne bei dem Warburger Familienunternehmen Sanitätshaus Seidel eine Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker. Der unbedingte Wille, möglichst schnell Deutsch zu lernen, brachte den Geflüchteten und das seit 40 Jahren bestehende Unternehmen zusammen. „Ich habe zwar einen Deutschkurs gemacht, aber das ging mir nicht schnell genug. Da habe ich Kontakt zu Deutschen gesucht, um die Sprache anzuwenden“, berichtet Fouad Mardini. Über ein Praktikum im Hausmeisterbereich bei Peter Gebauer lernte er Renee Seidel kennen. Der Junior-Chef, selbst Orthopädietechnik-Mechaniker-Meister, beschrieb ihm das Berufsfeld und vermittelte, warum es in Deutschland von Vorteil ist, eine Ausbildung zu machen. Das vielseitige und verantwortungsvolle Aufgabenfeld interessierte den jungen Syrer. Renee Seidel ist auch stellvertretender Obermeister der Innung Detmold. Er weiß daher, dass „der Bedarf an Orthopädietechnik-Mechanikern zunimmt, nicht zuletzt, weil der Anteil der Älteren in der Gesellschaft wächst. Renee Seidel: „Dennoch erlernen zu wenig Menschen den Beruf. Deshalb haben wir großes Interesse selbst auszubilden. Fouad war mir gleich sympathisch und ich habe gesehen, dass er zuverlässig arbeitet. Nach Rücksprache mit meinem Mitarbeiter Sebastian Heine, ob es für ihn vorstellbar ist, neben Janik Fischer noch einen weiteren Azubi zu betreuen, haben wir Fouad angestellt.“ Fouad Mardini zieht eine Verbindung zwischen seinem künftigen Beruf und dem Krieg in Syrien: „Ich habe in Aleppo Menschen gesehen, die durch den Krieg ihr Bein oder ihren Arm verloren haben. Ich möchte Menschen helfen und nicht töten.“ Wäre der Syrer in seiner Heimat geblieben, hätte er zum Militär gehen und gegen seine eigenen Landsleute kämpfen müssen. Aber der junge Syrer hat in Warburg Menschen getroffen, die ihn stärken. Nach dem ersten Blockseminar an der Berufsschule, wollte der Azubi zum Beispiel fast aufgeben: „Ich habe gedacht, das schaffe ich nie. Der Anatomielehrer hat schnell geredet mit lauter lateinischen Fachausdrücken und das auch noch im Dialekt. Ich habe so gut wie nichts verstanden.“ Doch sein Meister Renee Seidel und sein Ausbilder Sebastian Heine haben ihn ermutigt, durchzuhalten und helfen ihm beim Erlernen der Fachbegriffe. „Ich bin froh, dass ich dran geblieben bin“, sagt Fouad Mardini rückblickend. Auf die Frage, ob ein junger Mensch, der in einer Millionenstadt wie Aleppo aufgewachsen ist, sich in einer so kleinen Stadt wie Warburg wohlfühlt, kommt ein entschiedenes: „Aber ja! Wenn ich in der Stadt bin, treffe ich immer einige Menschen, die ich kenne. Wir grüßen uns und sprechen miteinander. Warum soll ich woanders wieder ganz neu anfangen?“ Über Deutschland sagt er: „Deutschland hat mich gut aufgenommen und mir geholfen. Und ich mag die deutsche Kultur. Deshalb möchte ich hier arbeiten, Steuern zahlen und etwas zurückgeben.“ Reza Hashemi hat eine ähnliche Einstellung. Der Iraner verlor durch eine Landmine seinen Fuß und kam als Geflüchteter nach Warburg. Vor zwei Jahren hatte er den Mut, auf Krücken im Sanitätshaus Seidel um Hilfe zu bitten. Mit seinen damals noch wenigen Deutschkenntnissen erklärte er, dass er noch keine Bewilligung für eine Prothese habe. Er bitte lediglich darum, ob dennoch jemand einmal nur sein Bein ansehen könnte. Dankbar beschreibt der Geflüchtete die Reaktion von Renee Seidel: „Sie haben gesagt, Geld ist wichtig, aber der Mensch ist auch wichtig. Da fingen wieder helle Tage für mich an.“ Inzwischen konnte Reza Hashemi die Krücken gegen eine Prothese austauschen - angefertigt bei Seidel. Nun arbeitet er dort seit kurzem in der Werkstatt und bereitet sich auf eine Umschulungsmaßnahme vor. Die Familie Seidel weiß, was es bedeutet, Flüchtling zu sein, erzählt der Juniorchef: „Mein Vater wurde auch aus seinem Zuhause in Schlesien vertrieben. Er kam als Flüchtling und musste mit nichts in der Tasche anfangen.“ Heute sind im Familienunternehmen an verschiedenen Standorten insgesamt 50 Menschen beschäftigt.

 

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