Holzminden. Für viele Betroffene beginnt der Tag mit einer Herausforderung: Kompressionsstrümpfe korrekt anzulegen, erfordert Übung, Technik und oft auch Geduld. Dabei ist genau dieser Schritt entscheidend für den Therapieerfolg. Die Fachleute vom Vitalzentrum betonen daher, dass es weniger um Kraft als um die richtige Vorgehensweise und passende Hilfsmittel geht.
Richtig anlegen statt Kraftaufwand
„Die wichtigste Sache bei der Kompressionstherapie ist eigentlich, dass man Kompressionen nicht anzieht, sondern man legt sie an.“ Mit diesem Ansatz beschreibt Expertin Katja Parschau vom Vitalzentrum eine Technik, die den Unterschied macht.
Hilfreich sind dabei spezielle Handschuhe mit gummierten Fingerspitzen. Sie sorgen dafür, dass sich der Stoff des Kompressionsstrumpfes gleichmäßig verteilen lässt und diese optimal auf der Haut sitzen. „Mit den Handschuhen kann man die Kompressionsstrümpfe sehr leicht nochmal anmodellieren“, erklärt Parschau.
Gleichzeitig schützen die Spezialhandschuhe sowohl die Haut als auch das empfindliche Material: „Wenn ich einem Patienten eine Kompression anlege, zieh ich die Handschuhe an, weil ich damit Verletzungen bei demjenigen vermeide. Auch ist dadurch die Kompression selbst geschützt.“ Parschau weist daraufhin, dass Schäden, die beim Anlegen der Kompression entstehen, kein Reklamationsgrund sind.

Praktische Helfer für den Alltag
Gerade im Alltag erleichtern Anziehhilfen den Umgang mit Kompressionsstrümpfen erheblich. Besonders verbreitet sind sogenannte Tütenanziehhilfen wie das Modell „Easy Slide“ des Herstellers Arion. Laut Parschau ist die Handhabung dieser Hilfe sehr leicht – für Patienten jeden Alters. Ein großer Vorteil ist der leichte Transport dieses Modells, das in jede Tüte oder Tasche passt.
Für den Fußbereich gibt es Varianten mit Segeltuch, die das Anlegen im Sitzen erleichtern und weniger Beweglichkeit erfordern. Diese Lösungen sind sowohl für den eigenständigen Gebrauch zu Hause als auch für die Unterstützung durch Pflegekräfte geeignet.
Eine weitere Möglichkeit bieten Gestelle. Hier wird der Strumpf über einen Rahmen gespannt, in den anschließend hineingestiegen wird. „Mit den Griffen kann der Strumpf dann am Bein nach oben gezogen werden“, so Parschau. Unterschiedliche Ausführungen – etwa mit verstellbaren oder ausziehbaren Griffen – ermöglichen eine Anpassung an individuelle Bedürfnisse.
Individuelle Lösungen statt Standard
Welche Methode im Einzelfall am besten funktioniert, hängt stark von der persönlichen Situation ab. Beweglichkeit, Kraft und Alltag spielen dabei eine wichtige Rolle. „Welche Anziehhilfe für welchen Patient die richtige ist, empfehlen wir immer individuell. Da muss man manchmal auch ganz einfach ausprobieren.“
Gerade bei Erkrankungen wie Lip- oder Lymphödemen ist die richtige Anwendung entscheidend, damit die Kompression ihre volle Wirkung entfalten kann. Eine fachliche Einweisung hilft dabei, Fehler zu vermeiden und die Handhabung langfristig zu erleichtern.
Wer unsicher ist oder Schwierigkeiten beim Anlegen hat, sollte daher frühzeitig Beratung in Anspruch nehmen. Denn korrekt angelegte Kompressionsstrümpfe können Beschwerden deutlich lindern, Schwellungen reduzieren und die Lebensqualität spürbar verbessern. Weitere Informationen finden sich unter www.Vitalzentrum.com.
Lip-Lymphstammtisch am Donnerstag
Ergänzend bietet das Vitalzentrum auch Raum für Austausch und Information: So findet am Donnerstag, 23. April 2026 um 18:30 Uhr ein Lip-Lymphstammtisch im Restaurant „Strauch´s“ in der „Linnenkämper Str. 26“ in Stadtoldendorf statt.
Unter dem Thema „Erfrischend cool bleiben – Sommer-Tips für Lymphpatienten“ erhalten Betroffene praxisnahe Hinweise für die warme Jahreszeit und haben zugleich die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und individuelle Fragen zu klären.



Foto: awin